Samstag, 13. Juni 2009

Metakognitives Lernen

Mackowiak et al. beschreiben zum Thema "Metakognitives Lernen" (S. 142) die Herangehensweise von guten Lernern: Aufrufen von Vorerfahrungen, Vorgehensweise klären, Ergebnisse überprüfen, Strategien abwägen, Empfindungen berücksichtigen und Überwachen des Vorgehens und dessen Ergebnisse. So weit so gut ...

Danach allerdings unterscheiden sie zwischen guten und schlechten Lernern - so als ob die schulische Herangehensweise an das Lernen naturgegeben sei: »Lernschwache und lerngestörte Kinder, sind dagegen mit ihren Aufgaben schneller fertig (als Lernstarke, Anm. d. V.) gehen nur unwillig an die Dinge heran und sehen zu, dass sie nicht zu viel damit zu tun haben«. Das mag meine subjektive Interpretation sein - aber für mich klingt das nicht nach wissenschaftlichen Anspruch, sondern nach Kaffeetischniveau.

Jedenfalls ziehen sie nach der Feststellung, dass es lernstarke und lernschwache Menschen gibt, den Schluss, es läge nahe, übergeordnete Strategien zu lehren. Dass Lernstrategien zur grundständigen Ausbildung in jeder Schule gehören sollten, finde ich ja auch - nur der Weg, wie sie zu dieser Erkenntnis kommen ist doch merkwürdig: Ich würde fragen, was denn lernen eigentlich ist. Die Aneignung von Wissen? Hm - schwierig - was ist denn Wissen?

Wissenschaft heißt jedenfalls nicht Fakten anzuhäufen, sondern Bedeutungs-Gebäude zu entwickeln und weiterzuentwickeln. Wenn Menschen kommunizieren teilen sie ja Bedeutungen - Bedeutungen wiederrum sind m. E. am Besten als der Gebrauch von Dingen zu begreifen (vgl. Wittgenstein PU: Sprachspiele). Im Gebrauch liegt der Bezug vom Menschen zu den Dingen in der Welt. Nimmt man hier Hierarchien an (Der Gebrauch von nominalisiertem Gebrauch (nominalisierter Gebrauch/Bedeutung = Worte/Termini), usw.) ergibt sich, was man in der Evolutionstheorie (Theorie der Entwicklung, nicht auf die biologische Form beschränkt) viabel bezeichnen könnte: Vorstellungen von der Welt, mit denen man ganz gut fährt. Manchmal eckt einer an und fällt um, aber mit theoretischen Annahmen kann man offenbar oft genug gefahrlos anecken. Selektion ausgetrickst ... jedenfalls häufig (Bis die Theorie in der Praxis angewandt wird und schiefgeht).

Mir scheint, dass die Lerntheoretiker noch in einer kognitivstischen oder gar behavioristischen Weltanschauung hängengeblieben sind - selbst wenn sie soziale Lerntheorien diskutieren ... Also Lernstrategien gerne ... aber dann bitte Lernen reflektieren - meinetwegen über die Lernhandlung und ihr Explorationsmotiv (Neugier). Wenn der Gebrauch unklar ist und an den Lerngegenstand nicht angeschlossen werden kann, helfen auch keine Strategien.

Literatur:
Mackowiak, Katja; Lauth, Gerhard u. Spieß, Ralf (2008). Förderung von Lernprozessen. Stuttgart: Kohlhammer.


Kommentare gern auch an: mar SPAMSPERRE tin_weitzmann [at] web [dot] de - natürlich ohne spamsperre ^^

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