Emergenz II
* Zum Beispiel kann das Phänomen "Wille" nur aus mehreren Subsystemen bestehen, denn es wird wohl kaum Willensneuronen geben. Der Wille ist doch vielmehr eine höherinferente und kognitive Leistung mit Qualitäten und Funktionen, die nicht einfach auf Neuronen rückführbar sind. Höchstens verortet werden können - aber wieviel heißt das?
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Gesellschaft
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Daniel Stern
Im Gegensatz zur Psychoanalyse hat dieser Mann Phasen der Entwicklung beschrieben, die etwas - sagen wir "realitätsnaher" erscheinen. Plausibler auch als M.Mahlers Hypothese. Besonderes Augenmerk möchte ich auf die Zeit gleich nach der Geburt legen:
Mahler meint, dass es da eine autistische Phase gibt, mit einer Reizschranke zur Außenwelt. Die Geburt ist ihrer Meinung nach ein Einschnitt und ein sehr bedeutendes Ereignis, dass das physische Gleichgewicht des Säuglings stört. Ich weiß nciht ob oder wie sie das rechtfertigt, denn schließlich ist die Geburt vorgesehen im Leben - phylogenetisch und physiologisch betrachtet kann ich es nicht als evident ansehen, dass dies einen Einschnitt bedeutet.
Freud - soll ich es wirklich sagen - ging von der oralen Phase aus. Nach der Geburt gibt es auch weder Ich, noch Über-Ich. Es gibt nur das Es und damit nur einen Zustand des Unbewussten und der unmittelbaren Triebrepräsentanzen. Fragen wir lieber nicht wie er darauf gekommen ist und wie er es rechtfertigt.
Stern postuliert ein unmittelbar nach der Geburt entstehendes auftauchendes Selbst. Eine Art "Huch, da bin ja ich?!" und er kann es sogar rechtfertigen mit einer Idee die ich wirklich ausbaufähig finde: Nach der Geburt ist der Säugling in der Lage Konsequenzen seines Handelns wahrzunehmen - was wohl an der grundsätzlichen Veränderung seiner Umwelt liegt. Vielleicht kommt er zufällig an ein Mobile, was sich anfängt zu bewegen und sieht dass sich da etwas bewegt und findet das ganz toll - aber irgendwann versteht das Kind, dass es selbst es ist, was diese tolle Sache verursachen kann. Es bildet mit den Erfahrungen, die sich auf es beziehen sozusagen eine Ahnung von seiner Existenz. Ich denke, diese Erfahrungen werden auch beim Kopf-wenden gemacht, wenn sich das Sichtfeld verändert.
Was könnte es auch andere Gründe geben, dass ein Säugling nicht schon vor der Geburt ein Selbst hat? Psychoanalytisch ist das sicher keine Frage, denn da entsteht das Selbst erst im Ich und durch das Selbst das Über-Ich - aber es gibt ja nicht nur die Psychoanalyse - und nicht nur die von Freud.
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Körperlose Transformationen und die Virtualität
Eine Lösung dieses Dilemmas sehe ich darin, Attribute nicht mit Eigenschafts-Variablen zu versehen, sondern mit Eigenschafts-Funktionen, welche in der Lage sind eine Genese zu beschreiben.
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Das Neue und die Virtualität
Vielmehr scheint mir ein Konzept der Qualitätenänderung plausibel. Schaut man sich im Raum um, so ist man mit seiner Anschauung diesbezüglich theoretisch in der Lage bis ins Unendliche hineinzugehen (So lange teilen bis man auf etwas Unteilbares stößt oder eben die andere Richtung; siehe Kants Antinomien, die zeigen worauf ich u.A. hinaus will: Es ist Blödsinn Unendlichkeit für real zu halten). Es ist also meiner Ansicht nach falsch, dass man dies tun könnte, denn die Anschauung des Raumes betrachte ich als Anschauung vor aller Erfahrung (Kant - KrV) - sie ist somit virtuell. Virtuell will ich die Selbstähnlichkeit der Welt in einer Repräsentation ihrer selbst durch eine Werdung von Selbstbezüglichkeit nennen. Wobei die Repräsentation das Virtuelle sein soll. Die Virtualität ist demnach selber Realität, bildet aber durch ihre Selbstbezogenheit eine Virtualität. Ich sehe diese Selbstreflexivität natürlich in Lebewesen mehr oder weniger ausgeprägt und offenbar im Menschen am höchsten ausgebildet.
Selbstähnlichkeit impliziert Informationsverlust: Raum und Zeit als Anschauungen vor aller Erfahrung ermöglichen physiologisch Wahrnehmung und vereinfachen die Realität notwendig, denn das Ganze kann nie zur Gänze erfasst werden – da das Modell nicht das Abgebildete selbst ist, sondern eine Repräsentation, die ganz anderen Ansprüchen genügen soll. Andererseits impliziert dies auch, dass Analogien zur Realität da sind.
Vielleicht gibt es sogar noch höhere Virtualitäten in Lebewesen wie der Gesellschaft (wenn sie denn ein Lebewesen ist – vgl. Maturanas Autopoiese). Erkennen kann ich das aber im Moment nicht.
Ermöglichen Emergenz und Virtualität Neues? Absolut Neues in Bezug zu vorher nie da gewesenem stellt die Frage der Disposition dieser Erscheinung. Wie kontingent ist Neues in der Realität ohne Anschauung? Emergenz ist keine Zauberei, sondern ein Phänomen der Kontingenz von Beziehungen. Wenn es das Neue an sich gibt, dann ist die Realität nicht symmetrisch. Wenn es das Neue nur in Relation gibt, dann besteht diese Gefahr nicht.
Ich stelle mir vor, dass an einem Punkt, an dem die Realität verwaschen und ungenau wird, ein Qualitätswechsel seiner Art nach stattfindet (vgl. das Phänomen der Nichtlokalität in der Physik). Eine Qualität ist ein wahrgenommenes Muster aus der Realität. Realität ist Symmetrie. Wenn ein Muster in der Realität eine Biegung macht äußert sich das in der Virtualität als Qualitätswechsel. Aus einer verschwindenden Qualität a kommt eine Qualität b hervor, die man aber nur aus einem anderen Blickwinkel aus sehen kann; und in diesem anderen Blickwinkel wahrscheinlich auch in Richtung Qualität a hin verschwimmt. Es sollte also an der Art der Betrachtung liegen, welche Qualitäten man sieht - Art der Betrachtung in Hinblick auf die Anschauungen vor aller Erfahrung, die nur virtuell sind und auf die Realität zurückfallen als reflektierende Repräsentation mit bedeutend mehr Möglichkeiten der Repräsentation, da eine höhere Qualität immer mehr abbilden kann, als die Qualität, aus der sie entsteht. Auf deutsch: Ich kann mir einen pinken Elefanten mit Flügelohren vorstellen, der Mäuse jagt - aber das heißt nicht, dass es den gibt. Und als nächste Konsequenz: Ein Wechsel der Perspektive hilft, einen Qualitätswechsel zu erkennen. Demnach ist der Raum nicht an sich da – sondern, um auf das Beispiel der Nichtlokalität zurückzukommen, qualitativ anders, wenn es ungenau wird: Soll heißen, dass die Teilchen gar nicht an verschiedenen Orten sind. Bildhaft: Die Ordninate, welche den Raum darstellt macht also selbst eine Kurve, wie eine Funktion.
Diesbezüglich ist Unendlichkeit eine Konsequenz der Anschauungen vor aller Erfahrung und vor allem ein Konzept der Qualität von der Selbstreflexivität der Realität auf sich selbst als Virtualität. Unendlichkeit ist virtuell, nicht real. Aber natürlich auch wieder real als Virtualität derart, dass sie ein Konzept darstellt, dass mittels Informationsreduktion Redundanzen der Anschauung nach produziert. Wendet man die Unendlichkeit auf sich selbst an, die vor allem eine Funktion ist, dann fehlt immernoch der Gegenstand auf den diese Funktion in der Funktion angewendet werden soll.
Da Virtualität selbst aus Realität entsteht und nur eine neue Qualität darstellt, ist Neues also immernoch relativ im Sinne einer Beziehung zu etwas für das es neu ist. Demnach gibt es Neues an sich nicht, da alles was neu ist auch immer schon Disposition gewesen sein muss.
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Emergenz
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Gottesbeweise
2 Gründe, weshalb man Gott nicht beweisen kann:
a) Ich finde in Gott nur den All-Einen, der (wie Thomi v. Aquin schon feststellte) in seinem endlichen Wirken selber jedoch unendlich ist. Nichts kann im Verhältnis zu Gott stehen. Dies bedeutet aber auch, dass man nicht von seinem Wirken auf ihn schließen kann, denn auch das kann in keinem Verhältnis zu ihm stehen. Es bleibt Glaubensfrage, aus der kein Wissen werden kann.
b) Weiter sehe ich: Das All-Eine kann kein Gegenteil haben, von dessen Differenz man auf die jeweiligen anatgonistischen Partner schließen könnte. Wie man weiß, kann Information nur aus Differenz hervorgehen. Da Glauben nicht auf Wissen angewiesen ist, bliebe hier noch zu zeigen, dass man an Gott glauben kann, obschon man ihn nicht wissen kann.
c) Weiter sehe ich: Wenn Gott in allem ist und mir die Freiheit durch die Aufopferung seiner Allmacht schenkt, so ist doch alles Sein Gott (Ich bin der "IchBin"). Wenn alles Sein aber Gott ist, so bleibt aus Sicht der beschränkten Erkenntnisfähigkeit nur der Schluss übrig nicht entscheiden zu können, ob alles Gott ist oder nicht, obschon beides zur Disposition steht. Denn ein Teil dessen was "ist" (der Mensch) kann nicht zur gleichen Zeit alles und sich selbst betrachten, da es dann die eigene Betrachtung in rekursiver Weise unendlich in sich ergebend mitbetrachten muss.
d) Gesetzt es sei doch so, dass man alles betrachten könne was ist, um zu entscheiden ob Gott ist, dann wäre dies zunächst koextensiv zu Gott, was nicht geht, da Gott letzte Kategorie ist und über jeder Dualität steht. Auf jeden Fall fehlte dann immernoch die Differenz zu etwas was Gott nicht ist, um eine Information darüber zu bekommen, ob Gott ist.
Fassen wir zusammen: Der Teil des All-Einen kann nicht das All-Eine betrachten, weil dies paradox wäre. Der Teil wäre dann kein Teil mehr, was nicht geht, da es sich hier um die Kategorie des Sein geht. Man kann nicht über sein Wirken, noch über andere Teile des All-Einen eine Erkenntnis darüber gewinnen, ob Gott (der "IchBin") ist, oder nicht. Das Sein ist notwendig, denn ich kann mein Ich nicht wegdenken. Da ich nicht Gott bin und keine Allmacht habe, muss es noch mehr geben.
Will man ohne Gott das Sein von etwas Anderem zeigen, muss man sich mit dem "Neuen" beschäftigen und seiner Werdung und Entstehung.
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Relativität und Subjektivität
Jedenfalls ist es wichtig, nicht nur die Situation, sondern auch die Relationen zu betrachten. Relationen in Betrachtungen tangieren nur Menschen, welche notwendig subjektiv denken. "Vorsicht, vor der Personifizierung" heißt hier das Motto, wenn Dinge plötzlich Eigenschaften bekommen, welche nur denkenden Wesen vorbehalten sind. Hier ist die Gefahr der Generalisierung sehr groß, wenn man Interpretationsdispositionen auf einen Gegenstand drückt, statt den Blick auf den Interpretierenden zu richten.
Der betrachtete Gegenstand muss interpretiert werden.
Der betrachtete Gegenstand betrachtet nicht (es sei denn er tut es doch).
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Geheimnisse II - Hermeneutik
Die gängigste Konnotation für Geheimnis ist mit größerem Gewicht, meiner Erfahrung nach, bei "da ist etwas verdeckt" zu finden. Umgedreht bedeutet das Geheimnis in der Hermeneutik nichts Anderes, jedoch ist da die Konnotation meines Erachtens deutlicher bei "da ist etwas zu Entdeckendes" zu finden.
Vielleicht kann man diesen Unterschied in der Herangehensweise herauskristalisieren und vielleicht ergibt sich dann auch, dass hier sogar ein Bedeutungsunterschied zugegen ist und nicht nur ein Konnotationsunterschied.
Ich denke hier namentlich an die Tiefenhermeneutik in der Psychologie, als eine Geheimnis-Hermeneutik und bspw. die Klientenzentrierte Interaktion als eine Gadamersche Hermeneutik mit dem Ziel den Klienten zu verstehen und durch sich auf ihn zurückzukommen als ein Verständnis-bringender-Versteher.
Hm - mal sehen.
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Geheimnisse
A weiß um das Nichtwissen von B über ein Sachverhalt X. Somit ist X ein Geheimnis B gegenüber aus der Sicht von A (A und B kann ein und dieselbe Person sein.
Bloßes Nichtwissen ist nicht ein Geheimnis, da Nichtwissen auch alles einschließt was es nicht gibt.
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Denken heute
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Theorien in der Psychologie
So ist beispielsweise die Psychoanalyse nach Freud keine wirklich gute Theorie* um die Wirklichkeit zu beschreiben, aber als Werkzeug ist sie offenbar gut zu gebrauchen und wurde/wird ja auch weiterentwickelt.
Ein Schulenstreit scheint da eher kindisch und kontraproduktiv. Auch Poppers Ansatz der Falsifikation ist natürlich hinfällig, wenn die Theorie so konstruiert ist, dass sie niemals falsifiziert werden kann - aber das ist ja auch nicht notwendig, wenn die Theorie gar keinen Anspruch auf Wirklichkeitsbeschreibung erhebt! Was bleibt ist herauszufinden wie gut das Werkzeug ist, das man in der Hand hält. Und vorher natürlich die Frage: Wie finde ich das überhaupt am Besten heraus - ich erinnere mich an Studien die da Verschiedenes behaupten.
Zahlen können nicht lügen, aber die "Kunst" (im wahrsten Sinne des Wortes) in der Statistik ist ja die Interpretation der Zahlen. Von Menschen gemacht mit all ihren Werten, Vorstellungen und Erfahrungen. Ja, ich möchte damit die Aussagefähigkeit der Interpretationen statistischer Erhebungen in Frage stellen! Denn, wenn man auf diese Weise einen komplexen Sachverhalt vereinfacht und versucht zu verstehen, dann hat man nur einen vereinfachten Sachverhalt, den man mit dem Hintergrund der Komplexität interpretieren müsste um eine Information daraus zu ziehen, wie die Interpretation auszusehen hat, um annähernd an die Wirklichkeit zu reichen.
Sind also nicht eher Regeln gefragt, die von dem Individuum auf eine Menge wirken? Wie kommt man anders auf die Idee eine multiple Korrelation zu interpretieren als durch einen Analogieschluss? Ist so etwas nicht mehr als fragwürdig, wenn nichts als eine Analogie legitimieren soll, was eine wissenschaftliche Erhebung aussagt?
* Siehe hierzu ausführlich Karl R. Popper - "Alles Leben ist Problemlösen" (S. 40f.) (10. Auflage, 2006 München: Piper Verlag GmbH) und die Kritik dazu an anderen Stellen.
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Sinn des Lebens
Na ja.. es ist doch so, dass alles anfing bevor es Menschen gab, nicht wahr? Nun ist es aber so, dass "Sinn" etwas ist, dass nur in Relation, d.h. in Beziehung zu einem Menschen funktionieren kann. D.h. es muss jemanden geben, der einen Sinn in etwas sieht.
Die Dinge an sich können keinen Sinn suchen, denn sie sind ja gar nicht dazu in der Lage. Demnach hat der Mensch als Ding auch keinen Sinn, kann ihn aber suchen, weil er eben dazu in der Lage ist. Sucht nun jeder Mensch für sich seinen Sinn in seiner Existenz, dann kann er potentiell in allen Dingen die mit ihm in Beziehung stehen (und er es so sieht) einen Sinn für sich finden.
Man kann jetzt deprimiert resignieren, weil alles keinen Sinn hat oder über die große Freiheit staunen, für sich einen Sinn selbst aussuchen zu können.
So seh' ich das ^^
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Emergenz und Synthese
Dabei handelt es sich um die von den Autoren und Philosophen Deleuze, Gilles und Guattari, Felix verfassten Bücher "Tausend Plateaus. Kapitalismus und Schizophrenie" und deren als Buch ausgekoppeltes Vorwort dazu "Rhizom".
Diese Bücher wurden mir empfohlen, als es in einem Gespräch um nicht-analytisches (synthetisches?) Denken ging um den Regeln der Emergenz auf die Spur zu kommen.
Tatsächlich lassen die Rezensionen bei Amazon hoffen, dass dies spannende Lektüre ist.
ausführlich:
Gilles Deleuze und Felix Guaratti - "Rhizom" - ISBN-10: 3920986830
Gilles Deleuze und Felix Guaratti - "Tausend Plateaus. Kapitalismus und Schizophrenie" - ISBN-10: 3883960942
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