Zeichen, Begriff und Bedeutung
Als Zeichen sehe ich jedes Phänomen, das eine Bedeutung hat. Eine Bedeutung ist eine Funktion, durch die in einer Situation der Begriff eines Phänomens hervorgebracht wird. Der Begriff eines Phänomens (oder Zeichens) ist seine Repräsentation als mentales Modell in den Kognitionen des Betrachters. Aus dieser Repräsentation heraus wird es möglich mit der Umwelt zurecht zu kommen, da sie sozusagen verinnerlicht ist.
Ich verstehe "Begriff" also nicht im Sinne von "Wort", sondern "von begreifen kommend". Es ist vielmehr so, dass ein Wort ein oder mehrere Begriffe haben kann - die dann je in der Bedeutung - also der pragmatischen Funktion des Zeichens - hervortritt. Bildhaft: Ist mit "Läufer" nun der Teppich oder die Schach-Figur oder gar der Laufende gemeint.
Als Phänomen betrachte ich alles, was in der Virtualität potentiell in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt werden kann. Es ist notwendig, das Phänomen als virtuell zu definieren, da das Zeichen selbst auch nur virtuell ist und nicht mit etwas in der Realität im Zusammenhang sein kann. Und dies deshalb, da es keine Entsprechung des Zeichens in der Realität gibt. Ich vermute, dass das Zeichen ein Virtualitäts-Konstruktionsfaktor ist - eben dadurch, dass es eine Bedeutungsfunktion hat. Das Phänomen selbst dagegen kann eine Analogie zu etwas in der Realität sein - wie auch zu etwas in der Virtualität - z.B. auch in der Überindividualität
So kann ein Spielzeug aus der Kindheit ein Phänomen und Zeichen sein. Oder ein gemalter Buchstabe auf der Tafel (je nachdem ob ein Begriff dafür repräsent beim Einzelnen ist) oder das Finanzamt in seiner institutionellen Form und wahrscheinlich gleich auch in einer bedrohenden Form. Natürlich kann auch ein Kirschkern Zeichen werden (bspw. der Kirschkern im Dresdner Grünen Gewölbe, in welchen 185 Gesichter geschnitzt sind) - aber vermutlich bleibt es bei den meisten Kirschkernen bei einem Phänomen. Man kann wohl sagen, dass so ein Phänomen nur etwas wahrgenommenes ist - unabhängig davon ob es eine Repräsentation in der Vorstellung gibt oder diese nur beeinflusst oder gar ganz weggefiltert wird.
Im Zentrum der Betrachtung der Virtualität steht also immer der Leib - und speziell das Gehirn und seine Funktionen. Es scheint mir als gibt es immer eine Trinität bei dieser Betrachtung: Der Leib, der Gegenstand und die Situation. Wobei ich vermuten möchte, dass die Situation auch selbst Gegenstand sein kann. Der Leib ver-repräsentiert in sich einen Gegenstand durch eine Situation in der er sich sieht.
Es braucht also immer ein Phänomen, in das ein Zeichen hineingedeutet werden kann - eine Situation, welche bestimmt wie das Zeichen gedeutet werden soll - und einen Leib der diesen Prozess leistet. Noch kurz zum Modell: die Begiffe sind die Semantik, die Bedeutung die Pragmatik, das Verhältnis zwischen verschiedenen Begriffen ist demnach die Syntaktik betreffend.
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