Freitag, 23. November 2007

Das Neue und die Virtualität

Das Neue ist erst einmal ein Relationswort - also besteht Neues nur in Relation zu etwas, denke ich. Gibt es auch das Neue an sich? Das Entstehen neuer Wesenheiten aus dem Nichts ist nicht möglich, denn wo nichts war wird nichts. Das Ereignen als Analogie zur Zeit in der Virtualität scheint mir eine Symmetrie zu sein, die auf die Symmetrien des Seins (Analogie zum Raum?!) bezogen sind.
Vielmehr scheint mir ein Konzept der Qualitätenänderung plausibel. Schaut man sich im Raum um, so ist man mit seiner Anschauung diesbezüglich theoretisch in der Lage bis ins Unendliche hineinzugehen (So lange teilen bis man auf etwas Unteilbares stößt oder eben die andere Richtung; siehe Kants Antinomien, die zeigen worauf ich u.A. hinaus will: Es ist Blödsinn Unendlichkeit für real zu halten). Es ist also meiner Ansicht nach falsch, dass man dies tun könnte, denn die Anschauung des Raumes betrachte ich als Anschauung vor aller Erfahrung (Kant - KrV) - sie ist somit virtuell. Virtuell will ich die Selbstähnlichkeit der Welt in einer Repräsentation ihrer selbst durch eine Werdung von Selbstbezüglichkeit nennen. Wobei die Repräsentation das Virtuelle sein soll. Die Virtualität ist demnach selber Realität, bildet aber durch ihre Selbstbezogenheit eine Virtualität. Ich sehe diese Selbstreflexivität natürlich in Lebewesen mehr oder weniger ausgeprägt und offenbar im Menschen am höchsten ausgebildet.
Selbstähnlichkeit impliziert Informationsverlust: Raum und Zeit als Anschauungen vor aller Erfahrung ermöglichen physiologisch Wahrnehmung und vereinfachen die Realität notwendig, denn das Ganze kann nie zur Gänze erfasst werden – da das Modell nicht das Abgebildete selbst ist, sondern eine Repräsentation, die ganz anderen Ansprüchen genügen soll. Andererseits impliziert dies auch, dass Analogien zur Realität da sind.
Vielleicht gibt es sogar noch höhere Virtualitäten in Lebewesen wie der Gesellschaft (wenn sie denn ein Lebewesen ist – vgl. Maturanas Autopoiese). Erkennen kann ich das aber im Moment nicht.
Ermöglichen Emergenz und Virtualität Neues? Absolut Neues in Bezug zu vorher nie da gewesenem stellt die Frage der Disposition dieser Erscheinung. Wie kontingent ist Neues in der Realität ohne Anschauung? Emergenz ist keine Zauberei, sondern ein Phänomen der Kontingenz von Beziehungen. Wenn es das Neue an sich gibt, dann ist die Realität nicht symmetrisch. Wenn es das Neue nur in Relation gibt, dann besteht diese Gefahr nicht.
Ich stelle mir vor, dass an einem Punkt, an dem die Realität verwaschen und ungenau wird, ein Qualitätswechsel seiner Art nach stattfindet (vgl. das Phänomen der Nichtlokalität in der Physik). Eine Qualität ist ein wahrgenommenes Muster aus der Realität. Realität ist Symmetrie. Wenn ein Muster in der Realität eine Biegung macht äußert sich das in der Virtualität als Qualitätswechsel. Aus einer verschwindenden Qualität a kommt eine Qualität b hervor, die man aber nur aus einem anderen Blickwinkel aus sehen kann; und in diesem anderen Blickwinkel wahrscheinlich auch in Richtung Qualität a hin verschwimmt. Es sollte also an der Art der Betrachtung liegen, welche Qualitäten man sieht - Art der Betrachtung in Hinblick auf die Anschauungen vor aller Erfahrung, die nur virtuell sind und auf die Realität zurückfallen als reflektierende Repräsentation mit bedeutend mehr Möglichkeiten der Repräsentation, da eine höhere Qualität immer mehr abbilden kann, als die Qualität, aus der sie entsteht. Auf deutsch: Ich kann mir einen pinken Elefanten mit Flügelohren vorstellen, der Mäuse jagt - aber das heißt nicht, dass es den gibt. Und als nächste Konsequenz: Ein Wechsel der Perspektive hilft, einen Qualitätswechsel zu erkennen. Demnach ist der Raum nicht an sich da – sondern, um auf das Beispiel der Nichtlokalität zurückzukommen, qualitativ anders, wenn es ungenau wird: Soll heißen, dass die Teilchen gar nicht an verschiedenen Orten sind. Bildhaft: Die Ordninate, welche den Raum darstellt macht also selbst eine Kurve, wie eine Funktion.
Diesbezüglich ist Unendlichkeit eine Konsequenz der Anschauungen vor aller Erfahrung und vor allem ein Konzept der Qualität von der Selbstreflexivität der Realität auf sich selbst als Virtualität. Unendlichkeit ist virtuell, nicht real. Aber natürlich auch wieder real als Virtualität derart, dass sie ein Konzept darstellt, dass mittels Informationsreduktion Redundanzen der Anschauung nach produziert. Wendet man die Unendlichkeit auf sich selbst an, die vor allem eine Funktion ist, dann fehlt immernoch der Gegenstand auf den diese Funktion in der Funktion angewendet werden soll.
Da Virtualität selbst aus Realität entsteht und nur eine neue Qualität darstellt, ist Neues also immernoch relativ im Sinne einer Beziehung zu etwas für das es neu ist. Demnach gibt es Neues an sich nicht, da alles was neu ist auch immer schon Disposition gewesen sein muss.

Kommentare gern auch an: mar SPAMSPERRE tin_weitzmann [at] web [dot] de - natürlich ohne spamsperre ^^

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