Montag, 12. April 2010

Theoretische Synonymität

Gerade lese ich Searle und da fällt mir auf, wie an der theoretischen Arbeit an sprachphilosophischen Überlegungen die Einhaltung des Primats der Pragmatik (Deleuze) kontrastiert werden kann.

Searle berichtet in "Sprechakte" (S. 19 ff.), dass es sensu N. Goodman keine 2 Wörter gebe, die genau synonym sind. Begründet wird das über die sekundäre Extension jeden Wortes, die immer Elemente enthalte, welche mit denen seines Synonyms nicht übereinstimmt. Bspw. lässt sich sagen, dass im Fall "Der Profit, der kein Gewinn ist", Profit und Gewinn eben nicht genau synonym sind.

Auch Searle fällt auf, dass es eine Frage der Praktikabilität ist, wie weit man den Synonymbegriff theoretisch als Kategorie verwenden darf, wo er doch eigentlich als Werkzeug für eine Phänomenbeschreibung in der Linguistik gilt, nämlich, dass 2 Wörter das Gleiche bedeuten können (Praktische Synonymität).

Allerdings befreit Searle damit mE nicht das Beispiel von seiner Schlagkraft gegen den theoretischen Synonymitätsbegriff, der darauf beruht, dass es eine feste Semantik in der Sprache gibt, die nicht jede Sekunde organisch wächst, sich verändert und entwickelt. Bedeutung liegt hier an Worten, wie Tags an Blogartikeln.

Würde man die Sichtweise zulassen, dass sich Bedeutung je aus der konkreten Lebenssituation heraus konstituiert - Semantik aus der Pragmatik heraus entsteht - wie willkürlich können da Synonyme entstehen. Und was sagen uns etablierte Synonyme über den normativen Gehalt unserer Kultur?

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Sonntag, 11. April 2010

Wissen

Zunächst mal fällt mir auf, dass ich etwas wissen kann, aber ein Stein nicht. Wissen scheint also ein Privileg von Leben zu sein.

Leben lässt sich wiederrum (allgemein gehalten) als Formen von Strukturen konzipieren, die sich funktional zu einer Umwelt abgrenzen und sich selbst reproduzieren.1

Die Grenze der lebenden (Eigenschaften: Grenze; Reproduktion) Struktur stellt ein Verhältnis dar, das den Grad der Auflösung der lebenden Struktur kennzeichnet. Die Umwelt steht stets im Nenner.

Als Wissen kann ich so allgemein das ihr sich selbst re-präsentierbare Verhältnis der lebenden Struktur zu ihrer Umwelt kennzeichnen.

Dieses ihr sich selbst repräsentierbare Wissen folgt der ihr eigenen Logik von Physis und der Psyche (wenn man sie unter diesem hier betrachteten Aspekt mal als die Abbildungsfunktion versteht, die durch die Physis konstitutiert ist, aber nicht auf sie reduziert werden kann, da das Verhältnis zur Umwelt und nicht der eigene Körper re-präsentiert wird).

1 Damit muss man nicht einverstanden sein; ich bin für Anregungen dankbar.

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Dienstag, 23. Februar 2010

Hermeneutik und der Gebrauch von Hitler

Hermeneutik ist nicht das Interpretieren von Texten oder Lebenswelten. Besinnen wir uns zurück auf die "historische Einheit": Ein Gedankenwerkzeug, mit dem ein Aspekt einer Geschichte mit sowohl einer räumlichen, wie auch einer zeitlichen Dimension herausgestellt wird. Eine willkürliche Entitätisierung/Dinghaft-machung. Die Musik Chopins oder ein Ritual der Katholiken letzten Dienstag in Rom könnten historische Einheiten sein. Historisch meint geschichtlich, nicht "zeitlich zurückliegend". Und sie meint es absichtlich wertfrei, nicht i.S.v. besser oder nützlicher. Betrachtete man den Nationalsozialismus historisch käme es zu keiner Verurteilung der Taten, so wie es heute kaum zu einer Verurteilung der Massaker Alexander des Großen kommt. Natürlich ist es kaum möglich Hitler nicht zu verurteilen, denn die Ereignisse um '45 betreffen unwillkürlich eines jeden Lebenswelt - zumindest hier in Europa(?). Aber vielleicht erklärt es den teilweise laxen Umgang anderer Kulturen mit mehr Entfernung zu dem Thema, wie in den USA (wie mir berichtet wurde).

Der entfernte US-Staatsbürger jedenfalls, der sich hermeneutisch dem 2. Weltkrieg und seiner Bedeutung für Deutsche nähern wollte, müsste sich mit dem Thema als Diskurspartner unter Deutsche mischen. Also deren Gebrauch der für den Amerikaner historischen Einheit und für diejenigen Deutschen lebensweltlichen Einheit "Hitler" oder "2. Weltkrieg".

Gebrauch steht hier also im Sinne von "Welche Rolle spielt dieses lebensweltlich relevante Thema?", wobei "Rolle" nicht genau ist. Es ist der Gebrauch/Umgang, der sich eingliedert in die Lebenswelt und nur von außen als historische Einheit künstlich heraustrennbar ist.

Hermeneutik bedeutet, den Gebrauch einer historischen Einheit in ihrem Kontext zu erlernen. Erlernen heißt, sich den Gebrauch anzueignen oder zumindest sich einen eigenen Gebrauch aufzubauen. Es ist also notwendig seine eigene Lebenswelt zumindest virtuell soweit zu erweitern, dass eine historische Einheit als "natürlich ging es nur so und nicht anders" nachvollziehbar wird.


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Sonntag, 16. August 2009

Wie lernt das Gehirn

Zunächst: die neurologische Perspektive auf das Lernen holt man sich m. E. am Besten von Herrn Dr. Spitzer. Aber erstmal was anderes: Zur Zeit scheint mir die Allgemeinheit der Meinung zu sein, es gäbe Kurzzeitgedächtnis, Langzeitgedächtnis und Ultrakurzzeitgedächtnis ... Das Modell passt nicht so gut. Auch die Schubkasten-Metapher hinkt mit ihrer Beschreibung der Realität hinterher (Man müsse vom UKZG zum KZG zum LZG).

Mir gefällt das Einspeichermodell besser (und der gemeinen Literatur auch): Es gibt ein Arbeitsgedächtnis (so eine Art RAM) und einen Langzeitspeicher (die Festplatte). Dazu noch einen sensorischen Speicher, mit vielen Vorfiltern (Als wenn Maus und tastatur noch Speicher hätten). Das ist die unzulässig vereinfachte Version.

Das Hirnt lernt Regeln hinter Fakten. Also das Prinzip wie etwas funktioniert. Sieht man an der Sprache, wo zwar Worte gelernt werden, aber vor allem deren Gebrauch. Man kann Worte beugen, die es gar nicht gibt! Gestern war Spubbeltag - das heißt wir haben ... genau: gespubbelt. Gestern war Tamur-Tag, d. h. wir haben ... tamurt - nicht ge-tamurt.
Damit wurde eine Grammatikregel angewandt, ohne sie im Regelwerk je nachgeschlagen zu haben.

Das heißt, die wichtigere Sache ist es, die Regel dahinter zu verstehen, während sich die Fakten durch den ständigen Gebrauch einspuren. Der Gebrauch zeigt sich nach dem Transfer: Das Prinzip ist verstanden, aber noch nicht erfahren.
Spitzer führt an dieser Stelle ein Beispiel von Transfer im Mathematik-Unterricht an: Gelungener Transfer gelang u. A. so: Den Kindern wurde etwas erklärt - ein Prinzip - und wurden danach in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Gruppen sollten für sich gegenseitig Aufgaben ausdenken. Dadurch haben sie das Prinzip durchdrungen und durch die Anwendung das Prinzip in das Gedächtnis eingespurt.

Suche: nach Manfred Spitzer; Spitzer bei br-alpha mit Videos

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Samstag, 13. Juni 2009

Metakognitives Lernen

Mackowiak et al. beschreiben zum Thema "Metakognitives Lernen" (S. 142) die Herangehensweise von guten Lernern: Aufrufen von Vorerfahrungen, Vorgehensweise klären, Ergebnisse überprüfen, Strategien abwägen, Empfindungen berücksichtigen und Überwachen des Vorgehens und dessen Ergebnisse. So weit so gut ...

Danach allerdings unterscheiden sie zwischen guten und schlechten Lernern - so als ob die schulische Herangehensweise an das Lernen naturgegeben sei: »Lernschwache und lerngestörte Kinder, sind dagegen mit ihren Aufgaben schneller fertig (als Lernstarke, Anm. d. V.) gehen nur unwillig an die Dinge heran und sehen zu, dass sie nicht zu viel damit zu tun haben«. Das mag meine subjektive Interpretation sein - aber für mich klingt das nicht nach wissenschaftlichen Anspruch, sondern nach Kaffeetischniveau.

Jedenfalls ziehen sie nach der Feststellung, dass es lernstarke und lernschwache Menschen gibt, den Schluss, es läge nahe, übergeordnete Strategien zu lehren. Dass Lernstrategien zur grundständigen Ausbildung in jeder Schule gehören sollten, finde ich ja auch - nur der Weg, wie sie zu dieser Erkenntnis kommen ist doch merkwürdig: Ich würde fragen, was denn lernen eigentlich ist. Die Aneignung von Wissen? Hm - schwierig - was ist denn Wissen?

Wissenschaft heißt jedenfalls nicht Fakten anzuhäufen, sondern Bedeutungs-Gebäude zu entwickeln und weiterzuentwickeln. Wenn Menschen kommunizieren teilen sie ja Bedeutungen - Bedeutungen wiederrum sind m. E. am Besten als der Gebrauch von Dingen zu begreifen (vgl. Wittgenstein PU: Sprachspiele). Im Gebrauch liegt der Bezug vom Menschen zu den Dingen in der Welt. Nimmt man hier Hierarchien an (Der Gebrauch von nominalisiertem Gebrauch (nominalisierter Gebrauch/Bedeutung = Worte/Termini), usw.) ergibt sich, was man in der Evolutionstheorie (Theorie der Entwicklung, nicht auf die biologische Form beschränkt) viabel bezeichnen könnte: Vorstellungen von der Welt, mit denen man ganz gut fährt. Manchmal eckt einer an und fällt um, aber mit theoretischen Annahmen kann man offenbar oft genug gefahrlos anecken. Selektion ausgetrickst ... jedenfalls häufig (Bis die Theorie in der Praxis angewandt wird und schiefgeht).

Mir scheint, dass die Lerntheoretiker noch in einer kognitivstischen oder gar behavioristischen Weltanschauung hängengeblieben sind - selbst wenn sie soziale Lerntheorien diskutieren ... Also Lernstrategien gerne ... aber dann bitte Lernen reflektieren - meinetwegen über die Lernhandlung und ihr Explorationsmotiv (Neugier). Wenn der Gebrauch unklar ist und an den Lerngegenstand nicht angeschlossen werden kann, helfen auch keine Strategien.

Literatur:
Mackowiak, Katja; Lauth, Gerhard u. Spieß, Ralf (2008). Förderung von Lernprozessen. Stuttgart: Kohlhammer.


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Samstag, 20. Dezember 2008

Funktion der Elite in der Gesellschaft

Fragt sich doch, was eine Elite in der Gesellschaft soll. Die augenscheinlichen Merkmale sind diese: Wissen, Intelligenz und Weisheit in besonderem Maße. Geheimniskrämerei. Verschwörertum und möglicherweise Manipulation der Ordnung (sobald Parteilichkeit in's Spiel kommt, gell).
Unter einer differenzierteren Betrachtung kämen sicher andere und subtilere Merkmale hervor. Dennoch ist es der Aspekt, dass sie ein wenig der Öffentlichkeit verschlossen sind, der mir gefällt: Mir scheint die Elite ein möglicher Gegenspieler zur Kultur zu sein. Oder besser noch: ein kulturschaffender Mechanismus, indem er alte Rituale denunziert und neue etabliert.
Wäre der Angriff auf die Rituale ein offener, gäbe es sicher Widerstand und das Ritual würde sich verhärten. Da es aber bspw. – vom Standpunkt des Zeitgeistes aus – moralisch nicht vertretbar ist, muss es verschwinden.
Die Elite hat die Möglichkeit, und oft auch Mittel, neue Werte und differenziertere Vorstellungen genau da zu platzieren und wirken zu lassen, wo es notwendig scheint.
Die neuen Werte und Vorstellungen lassen die alten Traditionen langsam verfaulen.
Wenn Tradition ein Mechanismus zur Festigung der sozialen Bindung darstellt, dann steht das zum einen dem globalisierenden Gedanken gegenüber. Zum anderen wird ein evtl. ein Bedarf an Bindung nicht befriedigt und die Tradition überlebt. Setzt man einen Bindungsmechanismus ein, welcher globalisierend wirkt, dann ist beidem geholfen.
Was ist da dran? Verfolgt jemand solche Gedanken?

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Sonntag, 23. November 2008

Entitätizität und der Blick auf die Welt

Bei der Betrachtung der Welt fällt auf, wie sehr alles gegliedert ist und Ordnungen aufweist. Ein Jedes scheint mit dem Anderen in Zusammenhang und Relation zu stehen – während die Frage nach der Entitätizität offenbar kaum jemand stellt. Jedenfalls fällt mir gerade nur Kants zweiter Widerstreit in den Antinomien ein. Eigentlich sollte man bei den Phänomenologen was finden – aber diese verrückten Idealisten nehmen ihre Subjekthaftigkeit ein bisschen zu ernst für meinen Geschmack. Bei Heidegger bekommt man das nackte Grauen, will man über Realität oder die Dinge an sich nachdenken. Mir bleibt die Hoffnung, dass der neurologische Hype bei heutigen Denkern de-idealisierend interveniert.
Vielleicht hört dann auch der letzte Hegel-Kultkreis auf, dessen Philosophie als evolvierten Kant zu betrachten und schiebt ihn in die Ecke des Nett-aber-nicht-notwendig.
Kants Antinomien der reinen Vernunft jedenfalls scheinen ein fruchtbareres Gut zu sein: Sie zeigen die auf, dass Gedanken (Virtualität) die Welt (Realität) überdispositionell darstellen können. Ins unendlich Kleine und ins unendlich Große. Völlig egal ob es Raum an sich überhaupt gibt. Alles ist möglich – auch rosa Elefanten in der Luft. Oder Götter. Natürlich auch Bäume: Aber betrachten wir doch mal einen Baum, der (intersubjektiv übereinstimmend) als real existent gekennzeichnet werden kann, physikalisch.
Mesokosmisch sind da ein Kern, Jahresringe, eine Rinde usw. Mikrokosmisch finden sich Zellen, Moleküle, Atome usf. Subatomar wird es, jedenfalls derzeit, schon spekulativer: Hier finden sich Theorien zu Aufbau und Gestalt. Aber keine klare Anschauung. Die Mathematik – unser apragmatischer Freund der Stunde – wird in seinem Spekulativmodus – der Statistik – herangezogen, um Dinge beschreibbar zu machen. Die Grenze des Baumes – da wo Schluss ist – wird jedoch, gleichsam fraktal, schwammig.
Aus der gewohnt anthropozentrischen Sicht jedoch gibt es nur den Mesokosmos und einen mesomorphen Mikrokosmos.1 Wenn sich die Grenze aber in mikrokosmischen Dimensionen auflöst, wie real sind dann Entitäten überhaupt?
Phänomenologisch betrachtet sind sie sehr real. Aber Phänomenologie kommt aus den Gedanken (Virtualität) kaum heraus. So auch Bischof (2008) S. 962:
Der Fokus metaphysischer Verdichtung liegt für den Realismus auf dem Objekt.
Für den Idealismus hingegen ist kennzeichnend, dass sich das Gewicht der beiden Informationensquellen Sensorik und inneres »Vorwissen« auf das Letztere umzentriert. Er argumentiert aus der Perspektive des Subjekts. Daher entgeht ihm der Unterschied zwischen dem externen Objekt und der von diesem an den Sinnesorganen eintreffenden Botschaft.
Begreifen wir die Entität als ein in Grenzen Seiendes. Konzentrieren wir uns nicht auf die Frage was wirklich ist, sondern was uns die Wahrnehmung mitteilt; Oder viel besser: was wir der Wahr-nehmung entnehmen. Da Menschen eine bestimmte Umwelt wahrzunehmen haben, um ihr Überleben zu sichern, ist die Frage: Was nehmen wir überhaupt wahr? Und: was davon entnehmen wir zur Reflexion im Bewusstsein?
Wenn es keine Grenzen im Realen gibt und sie nur erscheinen, ist es doch im Zuge der Mesomorphisierung möglich, dass im Mikro- und Makrokosmos – vor allem in Theoriebildungen – Grenzen gefunden werden, wo keine sind. So wie Luhmann den Menschen nicht als das kleinste Teil der Gesellschaft sieht, sondern Kommunikation. So wie Kant feststellt, dass der Raum ins Unendliche geteilt werden kann. Entitäten sind kein Seiendes, sondern Funktionen.
Unendlichkeit ist kein Ding, sondern ein Prozess. Eine Funktion. Entitäten sind doppelt rein virtuell. Einmal durch die Wahrnehmung. Und ein zweites Mal durch die Reflexion. Oder im Psychologiejargon: Das Objekt wird doppelt repräsentiert: Einmal wird es angetroffen (Wahrnehmung) und einmal vergegenwärtigt, d. h. die Repräsentation wird repräsentiert (Bischof 2008, S. 88).
Wenn in beiden Fällen entität-isiert wird, bedeutet das wissen­schafts­theoretisch, dass hier Reflexionsbedarf besteht. Besonders für Phänomenologen.
Genau genommen wird ein Dekonstruktion notwendig: Die Dekonstruktion des Menschen aus seiner Beobachtung heraus. Zunächst muss die Beobachtung berücksichtigt werden, um dann unter Zuhilfenahme der Intersubjektivität und/oder der De-entitätisierung dekonstruiert zu werden. Der Beobachter wird in seiner Beobachtung aufgelöst.
Das Ergebnis ist keineswegs die Realität, aber es ist ein besserer Ausschnitt, als das gefärbte Abbild im Beobachter-Welt-Denken – oder noch schlimmer: des Alltagsdenkens, bei dem der Beobachter noch gar nicht berücksichtigt ist.
1 Natürlich gibt es auch noch den Makrokosmos, aber der scheint bis dato ebenso mesomorph beschrieben zu sein – mal von soziologischen Theorien, wie der von Luhmann, abgesehen.
2 Psychologie. Ein Grundkurs für Anspruchsvolle. Stuttgart: Kohlhammer.

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Dienstag, 11. November 2008

Alumni, Kontext, Algorithmen ...

Am vergangenen Wochenende war was los! Freitag morgens gegen 5:15 Uhr mit dem ICE in Richtung Nord-Osten. Die Oberlausitz rief und ich bin ihrem Ruf gefolgt ...

Es war die 7. Alumnitagung der Kommunikationspsychologen in Görlitz. Ich war auf drei Vorträgen, von denen der erste fundiert, interessant und leise gehalten wurde. Der zweite war dafür etwas lauter, unterhaltsamer und ziemlich spiritualistisch. Jedenfalls empfand ich es so - man wird nicht jeden Tag zum LSD-Konsum aufgefordert!

Der dritte war sehr praxisbezogen, klar vorgetragen und für Herzinfarkt-Patienten geeignet. Nein, er war nicht langweilig - aber furchtbar spannend war es auch nicht für mich. Ich möchte mich für heute dem ersten Vortrag widmen. Es wird um Gedanken gehen, die nicht viel mit dem Vortrag selbst zu tun haben, aber davon inspiriert sind.

Dr. Wolfgang Dzida, ein auf mich sehr sympathisch wirkender Mann, wickelte sein Görlitz-Debüt um die Frage, ob Menschen in Zukunft Benutzer oder Bediener von Interaktions-Maschinen sind.

Dabei kam ein für mich fruchtbares Zitat zutage: »Interaction is more powerful than algorithm« von Peter Wegner. Die Interaktion (Benutzer) ist mächtiger, als Algorithmen (Bediener) es sind. Dzida drückte es so aus: »Algorithmen sind dumm.« Aber warum eigentlich?

An dieser Stelle schweife ich ab: Natürlich weil den Algorithmen der Kontext fehlt - Mathematische Konstrukte befinden sich immer in einer Semiotik1 ohne Pragmatik. Denn der Interaktionsgedanke ist nicht implementiert. Das ermöglicht eine hohe Abstraktionsstufe! Nichts scheint allgemeiner oder abstrakter zu sein, als die Mathematik. Aber verwischt an dieser Stelle nicht der Unterschied zwischen Pragmatik und Syntaktik+Semantik?

Je allgemeiner etwas wird, desto unmöglicher ist es in einen speziellen Kontext zu sehen - es sei denn man setzt es in einen Kontext. Allerdings ist eine wertfreie Betrachtung von allem was ist – und aus der man den Beobachter subtrahiert – kontextfrei. Denn nur ein Beobachter bildet einen Kontext mithilfe des Beobachtens.

Kontextfrei ist beobachterfrei ist pragmatikfrei. Allerdings ist es auch Sender-frei und damit unsemiotisch. Oder eben alles in einem: Pragmatisch und semantisch+syntaktisch.
Algorithmen sind also apragmatisch, weil sie auf einen Kontext abzielen – aber nicht sicher sein können, diesen zu treffen. Allerdings sind abstraktere (mathematische) Algorithmen quasi kontextfrei, aber immernoch Interaktionslos und isoliert, sofern sie nicht alles was ist beschreiben. Also ein Algorithmus, der nicht die Pragmatik selbst mitbeschreibt (FSM möge es verhüten) ist apragmatisch. Nur aus einem entscheidend anderem Grund.
Eine Semiotik, die nicht den Beobachter berücksichtigt, ist also wertlos, weil sinnfrei (Sinn entsteht durch Beobachter).

Die Semiotik für Programmiersprachen braucht sich darum freilich nicht kümmern, aber bei natürlichen Sprachen, Massenmedien und Kommunikation zwischen Menschen oder in sozialen Systemen wird es spannend! Es gilt das Primat der Pragmatik.

1 Semiotik ist die Lehre der Zeichen. Klassischerweise werden 3 Unterkategorien gebildet: Syntaktik, Semantik und Pragmatik. Syntaktik = Regeln der Zeichen untereinander. Semantik = Bedeutungslehre und Pragmatik = Wirkung der Zeichen beim Empfänger. Kritisch hinterfragt wird dieser Ansatz u. A. von Deleuze und Guattari.


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Mittwoch, 5. November 2008

Luhmann - Glamour eines Bürokraten

»Forschungsvorhaben – Theorie der Gesellschaft. Laufzeit – 30 Jahre. Kosten – keine.« Luhmanns Lebenswerk scheidet die Geister: So wie es die einen inspiriert, vergrämt es die anderen. Eines jedoch ist ganz sicher: Er hat etwas bewegt in der Soziologie! Seine Theorie nicht wenigstens im Ansatz zu kennen, kann sich kaum ein Student leisten, der soziologische Themen reflektieren will. Aber weshalb polarisiert Luhmanns Systemtheorie so?

In einer Diskussion der Xing-Gruppe »Soziologie« wird sie vereinzelt als praxisfern wahrgenommen – als Religion und Ideologie. Sie wäre empirisch schlecht überprüfbar und eher was für Theoretiker.

Meiner Meinung nach ist sie aber eine Werkzeug-Theorie (vgl. Theorien in der Psychologie). Also eine Möglichkeit die Welt zu betrachten und dabei Dinge zu sehen, die sonst nicht sichtbar würden. Ob Luhmanns Systemtheorie die Wirklichkeit beschreibt, ist in diesem Kontext eine völlig falsche Frage. Sie muss einen Zweck erfüllen und in diesem Zweck besser sein als andere Theorien. Und zumindest um seine eigenen Gedanken zu reflektieren, können ein paar verschiedenartige Theorien nicht schaden. Luhmann gehört dabei ganz bestimmt zum Repertoire!

Just anlässlich seines 10. Todestages bekommt er wieder ein wenig Beachtung – das Wort Selfmarketing war Luhmann offenbar nicht geläufig. Die Welt Online greift dieses Thema gerne auf und meint unter Anderem: »Luhmann lesen ist wie Techno hören: Es schadet nicht, mal ein paar Kapitel lang innerlich abzuschalten.«. Ich bin mir nicht sicher ob diese »meditative« Einstellung so fruchtbar ist, aber probieren kann man es vielleicht mal.

Dennoch sind es nicht nur Online-Medien und Bücher, die sich – gerade jetzt – wieder mit Systemtheorien und ihren Konzepten auseinandersetzen: Wie strange loops berichtet, gibt es am kommenden Freitag (07.11.) im Deutschlandfunk um 19:15 Uhr die Sendung »Vorwärts über die Rückkopplungsschleife. Der stille Siegeszug der Kybernetik«. Ich bin immer dafür, komplizierte Gedanken für Menschen zugänglich zu machen, welche nicht die Zeit haben diese zu studieren. Ob der DLF seine Sache gut macht? Wir dürfen gespannt sein!


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Samstag, 25. Oktober 2008

Was ist Philosophie?

Sie wird grausam personifiziert, muss als Schlachtfeld für Ansichten unterschiedlichster Couleur herhalten und wird nicht selten grundsätzlich in Frage gestellt: Die Philosophie. Aber darf man so etwas wichtigem einfach Handlungen zuschreiben? Ist die Philosophie Schauplatz theoretischer Machtkämpfe? Passiert in den Elfenbeintürmen der Universitäten und Studentenstübchen noch etwas, oder haben sie sich in eine geistige Starre festgefahren?

Sophie fühlt sich missverstanden

Wenn ich als Autor die Personifizierung als Stilmittel benutze, um den Text ein wenig aufzulockern und der armen Philosophie ein wenig frischen Wind ums Haar wehen zu lassen, dann ist dies (trotz meines Schachtelsatz-Wahns) erlaubt. Denn dem Leser das Lesen zu erleichtern, kann nur erwünscht sein.

Ganz anders hingegen sieht es aus, wenn Metaphern zur Hilfe genommen werden, um Gedankengebäude zu errichten, innerhalb derer dann agiert werden soll. Philosophen – ob sie es nun bewusst taten oder nicht – haben sich seit jeher in einer Tätigkeit geübt: Sie haben neue Metaphoriken geschaffen. Ganze Metaphernkonzepte und Systeme hoben sie aus den Tiefen des Unverstandenen und zogen sie aus den dunklen Wäldern des Mystischen auf die Lichtung des Anschaubaren.

Ich will damit sagen, dass Philosophen Dinge greifbar gemacht haben, die vorher nicht begriffen werden konnten. Und das mithilfe von Metaphern und Metaphernkonzepten1. Das bedeutet freilich, dass sie nicht die Wirklichkeit oder Realität erfasst – sondern einen Zugang zu ihr erschaffen haben.

In diesem Zusammenhang ergibt sich m. E. die Gefahr, dass die Sicht auf die Philosophie eingeschränkt wird. Und zwar genau dann, wenn die Personifizierung der Philosophie gebraucht wird, um Sinnzusammenhänge darzustellen. Ginge es um Schmuck und Verbesserung der Lesbarkeit, wäre diese Gefahr nicht gegeben, da bei dieser Form der Personifizierung keine Zusammenhänge erklärt werden (sollten).

Das heißt, wenn es um Nicht-Trivialitäten geht: Die Philosophie will nichts, tat nie etwas und wird auch nie etwas tun, was sie zur Person macht2.

Gestalt der Philosophie

Vermutlich wird Philosophie mit dem Begriff Geisteswissenschaft betrachtet und damit den restlichen Wissenschaften hierarchisch gleichgestellt. Zunächst halte ich eine Hierarchisierung für fehl-intendiert. Betrachtet man die Vorgänge – Entwicklung von Gedanken, Theorien und Methoden – so zeigt sich, dass es eine stetige Wechselwirkung zwischen der Philosophie und den restlichen Wissenschaften gibt. Da die Philosophie den Geist zum Gegenstand hat, ist sie Teil jeder Wissenschaft. Sie steht damit nicht über den anderen Wissenschaften, sondern jeweils davor und dahinter gleichermaßen.

Philosophie ist ein Prozess. Und Philosophieren ist ein Prozessieren. Wird das Philosophieren thematisch, so entstehen bspw. die Philosophie der Mathematik, Psychologie, Physik etc. Gehen die Wissenschaftler an die (Konsens-)Grenzen ihres Fachgebietes und werden philosophisch (im Gegensatz zu spekulativ!), dann perturbieren sie gleichermaßen die Philosophie ihrer Wissenschaft, als auch ihre Wissenschaft selbst. Das kann auch bis in die Philosophie und ihre anderen Bereiche wirken.

Der Prozess aus dem Wissenschaften entstehen, sich entwickeln und durch den Wissenschaften absterben, ist also Philosophie3. Gleichermaßen ist die Wissenschaft vom Philosophieren, (verwirrender-weise) selbst auch Philosophie genannt, betroffen. Die Philosophie als Wissenschaft kümmert sich um die Aspekte des Geistes. Die Philosophie als Prozess ist Genese von Wissenschaft.


1 Ich verwende den Begriff "Metapher" in dem speziellen Sinn von Lakoff u. Johnson, wie sie ihn in ihrem Werk "Leben in Metaphern – Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern" ausführlich erörtern.

2 Abstrahiert bedeutet dies: Sobald Metaphern im Spiel sind, leidet die Abstrahiertheit – und damit die Gültigkeit. Der Leser und Nach-Denker wird in ein Gedankenkorsett gezwungen. Das verbaut ihm die Möglichkeit eigene Rhizome zu spinnen und wirkt damit der Funktion der Philosophie entgegen.

3 Natürlich darf hier das Forschen nicht vergessen werden. Ich blende es nur deshalb aus, weil es an dieser Stelle nicht Gegenstand der Betrachtung sein soll.


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Sonntag, 13. April 2008

Sinn und Sprache (Metaphysik)

Sinn ist eine abstrahierte Bedeutungszuschreibung. Eine Bedeutungs- zuschreibung ist das Festlegen einer Bedeutung für ein Phänomen.

Als Phänomen verstehe ich das von einem Subjekt in Form einer Entität Wahrgenommene. Es ist also betont, dass es sich hier um eine Relation handeln muss, mit der es umzugehen gilt. Diese Relation im Sinne der Bedeutungszuschreibung etabliert sich im Subjekt selbst derart, dass entweder Vorhersagen möglich werden. Oder dass sich die Konstitution des Subjekts derart ändert, dass sich das Verhalten auf das Phänomen permanent oder temporär ausrichtet. Bsp. für "permanent" (generationsübergreifend) wären evolvierte Merkmale eines Subjekts. Temporär wären dementsprechend pre-evolvierte Merkmale. Nochmal: Für mich ist ein Phänomen nicht "an sich", sondern eine Repräsentation im Subjekt. D.h. dass ein Phänomen nicht notwendig ein Gegenstück im Sinne eines realen Objekts haben muss.

Wendet man dieses Konzept der Bedeutungszuschreibung auf Subjekte mit Abstrahierungskompetenz an, ergibt sich nach Abstraktion das Sinnkonzept: Im Wesentlichen wird hier ein (zum Teil wesentlich komplexeres) Phänomen konstruiert. Die Bedeutungszuschreibung ergibt sich entweder implizit, explizit oder aus beidem: Implizit unreflektiert aus dem jeweiligen Frame des Subjekts heraus. Explizit reflektiert dadurch, dass das Phänomen nicht sofort in ein Frame integriert werden kann (evtl. zu abstrakt - was eigtl heißt, dass man es nicht versteht). Eine Mischung aus beidem bei Reflexion eines Phänomens, welches zu einem Frame passt oder dort integriert wahrgenommen wird. Betrachtet man ein Phänomen aus verschiedenen Frames heraus, ergibt sich eine Art "innere Intersubjektivität".
Als Frame verstehe ich im sozialwissenschaftlichen Sinne den "Deutungsrahmen" in welchem die Phänomene oder signifikanten Symbole be-deutet werden ( - wobei signifikante Symbole auch eine Art Phänomene sind).

Vorsicht ist demnach dem geboten, wer unreflektiert die Sprache in der Wissenschaft und Philosophie benutzt und dabei willkürlich unsichtbare Beobachter in seine Beschreibung unangemessen hinein- und herauszaubert! Wenn der Phänomenbegriff falsch verstanden wird, dann ergibt das plötzlich ein Phänomen in der Welt, da man den Beobachter vergessen hat, der es aber eigtl. produziert. Redet man vom Sinn eines Gegenstandes, dann redet man eigentlich vom Sinn eines Gegenstandes gegenüber eines Subjekts, das diesen Sinn für sich produziert. Oder: Die Sinnmaschine ist die Präsenz von Sinn (vgl. auch den Beitrag von Hückel).

Ein großer Anteil der Sprache funktioniert über Metaphern und diese sind zum einen Teil reduzierend und zum anderen Teil produzierend: Sie verdecken bestimmte Anteile und heben andere Anteile eines Gegenstands besonders hervor. Sie eignen sich um abstrakte Gegenstände zu kommunizieren. Hier ist zu reflektieren inwiefern Intersubjektivität Realitätsnähe schafft: Man denke an das Konzept von Befehl und Parole bei Deleuze/Guattari in "Tausend Plateaus". Wird eine Parole nur unreflektiert weitergegeben (i.S. einer körperlosen Transformation) oder stemmt man sich gegen die Sprache (wehrt sich geg. die körperlose Transf.) und versucht etwas Neues zu entwerfen.

Das Prinzip von Beobachter und seinen Betrachtungen (den Relationen: z.B.: Sinn, Bedeutung oder Phänomene) begegnet mir immer wieder, wenn ich philosophische oder wissenschaftliche Schriften lese. Teils ist dieser Punkt reflektiert - aber teils auch nicht. Es ist anzunehmen, dass die Sprache unser Denken moduliert.

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Freitag, 22. Februar 2008

Ethik, Werte und EPMs

Auf das Thema bin ich in einem Buch von Richard D. Precht gestoßen: "Wer bin ich und wenn ja, wie viele?". Eine recht geistreiche und lebensnahe Einführungsliteratur zur Philosophie. Es dreht sich gerade alles um den Utilitarismus und er zeigt auf, dass keine ethische Philosophie ohne Werte auskommen könne - obschon sie es versuchen - da jede Verhaltensaufforderung in einer Ethik nicht logisch ergründetes Wissen, sondern ein Urteil ist, was gut ist: "Die letzte Basis für jede moralische Regel ist ein Wünschen und Wollen und nicht ein Erkennen oder Wissen" (S. 193).

Ich möchte vorschlagen in diesem Disput, der irgendwo zwischen den Begriffen Intuition, Rationalität und Logik stattfindet, den Begriff des EPM einzubringen: Evolviert psychologische Mechanismen. Dieser Begriff stammt aus der der Evolutionstheorie und geben Präferenzen für den Menschen ab, die sein Verhalten beeinflussen können. Dies gilt zum Beispiel für Essen mit hohen Nährwerten: die McDonalds-Sucht entsteht also möglicherweise aus der Veranlagung eine Präferenz für nahrhaftes Essen zu haben. Die proximale Erklärung dafür findet sich auf dem neurologischen Weg von der Nase zum Gehirn und die ultimate Erklärung ist, kurz gesagt, dass es stammesgeschichtlich betrachtet günstiger war etwas sehr nahrhaftes gleich zu essen, da es damals in der "Urhorde" eben weder Supermarkt noch Kühlschränke gab.

Ich denke nun, dass man statt mit dem unscharfen Begriff der Intuition mit dem Begriff des EPMs und der Evolutionstheorie arbeiten kann oder sogar sollte. Eben einfach um mal ein paar neue Perspektiven und Möglichkeiten auszuloten und vor allem um mit Gefühlen auf einer rationalen Ebene zu arbeiten und sie endlich in eine rationale Ethik integrieren zu können - jedenfalls ein wenig. Ich denke da an Kant oder eben den Utilitarismus. Die Philosophie wird dabei von der Religion emanzipiert bleiben, denke ich.


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Freitag, 15. Februar 2008

Zeichen, Begriff und Bedeutung

Als Zeichen sehe ich jedes Phänomen, das eine Bedeutung hat. Eine Bedeutung ist eine Funktion, durch die in einer Situation der Begriff eines Phänomens hervorgebracht wird. Der Begriff eines Phänomens (oder Zeichens) ist seine Repräsentation als mentales Modell in den Kognitionen des Betrachters. Aus dieser Repräsentation heraus wird es möglich mit der Umwelt zurecht zu kommen, da sie sozusagen verinnerlicht ist.

Ich verstehe "Begriff" also nicht im Sinne von "Wort", sondern "von begreifen kommend". Es ist vielmehr so, dass ein Wort ein oder mehrere Begriffe haben kann - die dann je in der Bedeutung - also der pragmatischen Funktion des Zeichens - hervortritt. Bildhaft: Ist mit "Läufer" nun der Teppich oder die Schach-Figur oder gar der Laufende gemeint.

Als Phänomen betrachte ich alles, was in der Virtualität potentiell in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt werden kann. Es ist notwendig, das Phänomen als virtuell zu definieren, da das Zeichen selbst auch nur virtuell ist und nicht mit etwas in der Realität im Zusammenhang sein kann. Und dies deshalb, da es keine Entsprechung des Zeichens in der Realität gibt. Ich vermute, dass das Zeichen ein Virtualitäts-Konstruktionsfaktor ist - eben dadurch, dass es eine Bedeutungsfunktion hat. Das Phänomen selbst dagegen kann eine Analogie zu etwas in der Realität sein - wie auch zu etwas in der Virtualität - z.B. auch in der Überindividualität

So kann ein Spielzeug aus der Kindheit ein Phänomen und Zeichen sein. Oder ein gemalter Buchstabe auf der Tafel (je nachdem ob ein Begriff dafür repräsent beim Einzelnen ist) oder das Finanzamt in seiner institutionellen Form und wahrscheinlich gleich auch in einer bedrohenden Form. Natürlich kann auch ein Kirschkern Zeichen werden (bspw. der Kirschkern im Dresdner Grünen Gewölbe, in welchen 185 Gesichter geschnitzt sind) - aber vermutlich bleibt es bei den meisten Kirschkernen bei einem Phänomen. Man kann wohl sagen, dass so ein Phänomen nur etwas wahrgenommenes ist - unabhängig davon ob es eine Repräsentation in der Vorstellung gibt oder diese nur beeinflusst oder gar ganz weggefiltert wird.

Im Zentrum der Betrachtung der Virtualität steht also immer der Leib - und speziell das Gehirn und seine Funktionen. Es scheint mir als gibt es immer eine Trinität bei dieser Betrachtung: Der Leib, der Gegenstand und die Situation. Wobei ich vermuten möchte, dass die Situation auch selbst Gegenstand sein kann. Der Leib ver-repräsentiert in sich einen Gegenstand durch eine Situation in der er sich sieht.

Es braucht also immer ein Phänomen, in das ein Zeichen hineingedeutet werden kann - eine Situation, welche bestimmt wie das Zeichen gedeutet werden soll - und einen Leib der diesen Prozess leistet. Noch kurz zum Modell: die Begiffe sind die Semantik, die Bedeutung die Pragmatik, das Verhältnis zwischen verschiedenen Begriffen ist demnach die Syntaktik betreffend.


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Montag, 4. Februar 2008

Signale und Informationen

Das Signal sollte als Neutrum definiert sein*.
Die Information hingegen sollte pragmatisch definiert sein: Als Signal; mit Relevanz für den Empfänger.
Betrachtet man den Menschen nun psychologisch aus einer systemtheoretischen Perspektive, so ist Kommunikation also eine zirkuläre Wechselwirkung mit der Umwelt per Informationen.
Inwiefern ist nun Verhalten Kommunikation und Verhalten Handlung? Ver-Halten. Inwiefern spielen bewusstes und nicht-bewusstes Wahrnehmen eine Rolle?
*Ein Phänomen in der Realität ist ein Signal dann, wenn es potentielle (dispositionelle) Information in der Virtualität ist.

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